Samstag, 9. April 2011

[Rezension] Fever - Schatten der Vergangenheit (Douglas Preston/Lincoln Child)

Fever – Schatten der Vergangenheit (Douglas Preston/Lincoln Child)

Die amerikanischen Autoren Douglas Preston und Lincoln Child haben mit Ihrer Figur des immer eleganten, hochintelligenten und geheimnisvollen Special Agent Pendergast, einen „Helden“ geschaffen, der sich nun nach bisher 9 Bänden berühmt nennen darf.

Das Autorenduo schreibt seit einigen Jahren sehr, sehr erfolgreich wissenschaftliche, mystisch bekleidete Thriller, die neben der Spannung auch mit Geheimnissen glänzen, die eigentlich keine sind. Doch so geschickt wie die beiden ehemaligen Lektoren Preston/Child ihre Geschichten erzählen, lassen diese ihre Rätsel und manchmal auch Legenden, auf einer perfekt inszenierten Bühne spielen. Doch auch die Protagonisten die sich mehr oder minder in fast allen Pendergast-Romanen wiederfinden, haben einen sympathischen Wiedererkennungswert, doch sie sind weder unsterblich noch verfügen sie übermenschliche Eigenschaften.

Schon in der Diogenes-Trilogie erfährt der Leser mehr über die Familiendynastie der Pendergasts und oh ja – es ist nicht alles Gold was glänzt. Die Abgründe der Familie mit ihren Dramen wirken so herrlich ehrlich und lassen den perfekt erscheinenden Pendergast oftmals doch recht hilflos zwischen den Kapiteln handeln. Gerade das ist hinsichtlich einer persönlichen Entwicklung von Pendergast ein kluger Weg, denn wie heißt es doch „Nette Männer kommen in den Himmel, Böse überall hin“.

Auch im vorliegenden 10 Band der Pendergast-Reihe eröffnet sich mit „FEVER – Schatten der Vergangenheit“ eine neue Trilogie um den außergewöhnlichen Mann, der immer gekleidet in einem schwarzem Anzug, den Eindruck eines Totengräbers macht, die zweite Saga. Nun aber wird es noch persönlicher, denn hier erfahren wir noch mehr über Special Agent Pendergast.

Inhalt

Musalangu, Sambia: Aloysius und Helen Pendergast die seit zwei Jahren verheiratet und verbringen eine Jagdsafari in einem afrikanischen Wildpark. Das junge Ehepaar wird gebeten sich an einer Jagd auf einem menschenfressenden Löwen zu begeben. Dieser hat bereits einen Touristen getötet und verschleppt und somit werden die Pendergast gebeten die Leiche zu finden und den Löwen zu töten.

Doch die Jagd auf den Löwen endet tragisch. Helens Waffe versagt und sie wird durch den Löwen in Stücke gerissen, ihr Mann schwer verletzt. Nun 12 Jahre später als Pendergast den Familiensitz besucht, schwelgt der FBI Agent melancholisch über das Inventar dieser Räume. Vor dem Waffenschrank stehend fällt ihn die Krieghoff-Doppelbüchse seiner getöteten Frau auf. Das herrliche Gewehr, eine Sonderanfertigung für Helen weckt Erinnerungen an eine schöne, scheinbar unbeschwerte Zeit herauf. Als Pendergast das Gewehr in den Händen hält und mit der Reinigung der Waffe beginnt, fällt ihm auf, dass das Gewehr sabotiert wurde. Damit wird Pendergast klar, dass dieser Unfall ein sorgsam inszenierter Mord gewesen ist. Helen Pendergast wurde von irgendjemanden ermordet – sie hat nicht daneben geschossen, denn es waren Platzpatronen in den Doppelläufen dieses großkalibrigen Gewehres.

Pendergast will den oder die Mörder zur Rechenschaft ziehen, auch wenn es, dass weiß er, die Spur nach 12 Jahren eher schwer bis gar nicht zu rekonstruieren ist. Pendergast bittet seinen alten Freund und Weggefährten Lieutenant Vincent D’Agosta um Hilfe. Vincent lässt sich vom Dienst bei der Polizei New York freistellen und begleitet ohne viel Fragen zu stellen Pendergast auf seinem ganz persönlichen Kreuzzug ins ungewisse. Die Reise führt die beiden Ermittler über Afrika wieder in den Süden der USA.

Die letzten Monate ihres jungen Lebens verbrachte die junge Ärztin Hellen auf der Suche nach dem einzigartigen und nun verschollenen Bild eines berühmten Tiermalers. Bei ihren Recherchen erfahren die Pendergast und D’Agosta, dass Helen unkonventionelle Wege beschritt und auch vor Diebstahl eines Papageis nicht zurückschreckte. Was suchte und erforschte die junge Frau, eine talentierte Ärztin die quasi ihre Laufbahn noch vor sich sah und letztlich nichts anderes wurde als den brutalen Tod in afrikanischer Steppe.

Mit jedem Schritt der beiden kommen sie Helens Mörder näher und als sich die Spur immer weiter verdichtet, werden sie durch einen Scharfschützen unter Beschuss genommen und einer von den beiden tödlich verletzt....

Kritik

„Fever“ von Douglas Preston und Lincoln Child ist routiniert gut, zwar überrascht es noch nicht, aber es ist ja auch der erste Band einer Trilogie um Pendergast. Doch haben Sie keine Sorge: Für spannende Unterhaltung ist gesorgt, denn die beiden Erfolgsautoren wissen wie man die Leser faszinieren und begeistern kann.

So spannend wie „Fever“ auch ist, manchmal übertreiben es die Autoren mit ihrer Fantasie. Durch das hohe Tempo das Preston und Child der Handlung und ihren Protagonisten auf den Leib schreibt, fallen diverse erzählerische Schnitzer gar nicht großartig ins Gewicht. Zwar fallen sie auf, aber nur zwei, drei Seiten später sind sie vergessen. Zum Beispiel finde ich es höchst merkwürdig, dass das Gewehr von Helen erst nach 12 Jahren aus dem Waffenschrank geholt wird. Kann es sein, das diese nie wieder wirklich benutzt oder gereinigt worden ist? Der Haushalt der Pendergast läst also die „Sauberkeit vermissen?!

Die Rezeptur der Handlung ist gleich, der Geschmack allerdings deutlich intensiver wie in den letzten Romanen mit dem routinierten Pendergast. Wie schon in der „Diogenes-Trilogie“ wird es nun sehr persönlich für den Agenten, eigentlich noch viel persönlicher, denn seine Frau wurde schließlich ins Jenseits befördert. Also kein Wunder das Pendergast manchmal seine formvollendeten, kulturvierten Manieren über Bord schmeißt.

In „Fever“ lernen wir einen Pendergast kennen der von Rache getrieben jenseits der Legalität ermittelt, dass ganz bewusst und ohne zu zögern. Selbst vor psychischer Folter macht er keinen Halt und wer ihn hier in die Quere kommt, der wird „geärgert“. Pendergasts Charakter ist schwierig zu entwickeln, also sollte möglichst ein dramatischer Schicksalsschlag hier die Routine durchbrechen können. Damit ist Pendergast nun aufgefordert auch über seinen Schatten zu springen und es überraschte mich, den gutgekleideten Agenten mal drastischer handeln zu sehen.

Die anderen Charaktere allerdings bewegen sich auf sicherem Terrain. Hier fällt niemals wirklich aus seiner bisherigen Rolle. Einzig und allein eventuell und nur ein wenig wird Laura Hayward, ebenfalls Polizistin und Freundin von D’Agosta gefordert. Die Zusammenarbeit mit Pendergast fällt ihr schwer, zumal die gute von ihm zwar wenig eingeschüchtert ist, doch es nicht verzeihen kann, dass ihr Freund fast seine Karriere zerstört für ihn. Nach und nach allerdings bricht das Eis zwischen den beiden.

Die Schauplätze der Handlung wechseln wie eh und je. Für meines Erachtens ist es aber zu schnell. Ähnlich wie bei einer Schnitzeljagd wechseln Pendergast und D’Agosta die Linienmaschinen und die Kontinente. Klar, Tempo muss sein, aber hier bleibt mir dann die Plausibilität auf der Strecke stehen.

Auch wenn bei „Fever“ die Hintermänner schnell aufgedeckt werden und man die eine oder andere Überraschung erlebt und sehr schnell klar ist, wer auf die Seite der „Bösen“ gewechselt ist, bleibt es spannend. Der mittlere Teil dieser Trilogie wird eine Duell sein, zwischen Pendergast und jemanden den er bisher vertraut hat. Das Pendergast diese Auseinandersetzung überlebt ist logisch, denn es wird ja schließlich noch einen dritten Teil geben.

Fazit

„Fever – Schatten der Vergangenheit“ von Douglas Preston und Lincoln Child ist deutliche Steigerung zu den letzten beiden Bänden aus der Pendergast-Reihe.

Es wird persönlich und damit wird der Handlung und der Person Pendergast quasi alles an Möglichkeiten und Freiheiten gegeben sich zu entwickeln. Auch die Überraschungen und die dunklen Familiengeheimnisse werden hier wie bei der Diogenes-Trilogie wieder ihren festen Platz haben.

„Fever“ ist ein starker Pageturner mit einem dunkeln Pendergast der sich ziemlich nahe an seinem ganz persönlichen Abgrund befindet.

„Fever“ ist wie ein leicht steigendes Fieber. Ein heißer Garant für unterhaltsame und spannende Lesestunden.

 Michael Sterzik






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