Samstag, 30. Juni 2012

Erlöst mich - Simon Kernick


Erlöst mich (Simon Kernick)

Sie ist sein nächstes Opfer und seine letzte Rettung

»Ich habe Menschen getötet, die es verdient hatten, ohne mit der Wimper zu zucken. Und ich habe wahrscheinlich auch Menschen getötet, die es nicht verdient hatten. Streichen Sie das wahrscheinlich. Ich habe mich zu Richter, Jury und Henker in einer Person aufgeschwungen. Aber ich habe eine Menge schlafloser Nächte deshalb verbracht, weil mich die Geister der Toten in meinen Träumen heimsuchen. Ich habe eine Moral. Glauben Sie mir.« (Verlagsinfo)
Kritik
„Erlöst mich“ von Simon Kernick ist dritte und abschließende Band der Reihe um den früheren Detektive und jetzigen Profikiller Dennis Milne. Nach fast zehn Jahren möchte er keine Aufträge mehr annehmen. Dennis Mile durchlief eine harte, ihm selbstauferlegte Schule und die Dämonen, die Menschen die er töten musste, verfolgen ihn in seinen dunklen Nächten. Zwar tröstet sich Dennis damit, dass er nur die „bösen“ Jungs über die Klinge springen ließ, doch seine moralischen und ethischen Grundsätze sind arg erschüttert. Allerdings zerfließt er auch nicht in Selbstmitleid, sehnt sich aber nach einer innerlichen Ruhe und ein Leben ohne zusätzliches Blut an den Händen.
Simon Kernick lässt seine Protagonisten durch die Hölle gehen und verschiebt dabei unsere moralischen Grundsätze von Gut und Böse auf einen möglichst dünnen Grad. Ist es „böse“ oder gar unentschuldbar, wenn Dennis Milne Mörder, Drogenhändler, und Kinderschänder eiskalt tötet und nicht der Justiz übergibt? Vor allem aber, hat es der Autor es fantastisch geschafft, die Welt und die Täter und Opfer aus der Perspektive eines Killers zu erzählen. Und diese ist vielschichtiger und dunkler, als wir es uns vorstellen können.  Wenn der Autor Dennis Mile erzählen lässt, so fällt der Leser zusammen mit dem Antihelden auf eine unbarmherzige Bühne. Dennis Mile hat zwar für seine Aufträge eine lukrative Vergütung bekommen, doch das Geld ist kein wirklicher Ersatz für menschliche Wärme und Zuneigung. Für eine Familie ist in seinen Leben kein Platz.
Es schien einmal so, und noch immer erinnert sich Dennis an eine wundervolle Frau und sein ungeborenes Kind, was er verlassen musste. Noch immer träumt er davon loslassen zu können und neu anzufangen, aber seine Vergangenheit holt ihn ein und er weiß auch, dass er so sterben wird, wie er gelebt hat.
„Erlöst mich“ überzeugt nicht nur durch rasante Spannung und Abwechslungsreiche Action, sondern viel mehr über die erzählenden Protagonisten. Neben dem Profikiller Dennis Milne erscheint noch die harte und souveräne Ermittlerin Tina Boyd die in dieser Geschichte mit dem „bösen“ verbünden muss, um einen Kinderschänder und Mörder zu überführen. Die Lernkurve, die die taffe und selbstbewusste junge Frau allerdings fliegen muss, lässt ihre „alten“ Vorstellungen von Recht und Gesetz wie ein Kartenhaus einstürzen. Zugleich Richter und Henker sein zu wollen und dabei kaltblütig töten zu müssen, wird seine Spuren hinterlassen. Und ebenso wie Dennis Milne, den sie Anfangs überhaupt nicht verstehen kann und will, ist der Weg das Ziel zum verstehen oder zum akzeptieren. Will man den Teufel besiegen, so sollte man sich mit einem Dämon verbünden.
Simon Kernick erzählt seiner Geschichte durch den handelnden Protagonisten mit Überschallgeschwindigkeit. Trotzdem bleibt der Leser dabei nicht auf der Strecke und hüpft quasi auf den Spannungsbogen mit.
Dennis Milne als (Anti)Held ist der Dreh- und Angelpunkt der ganzen Geschichte und zielgerichtet baut sich sein ganzes Umfeld mit ihm auf. Von Beginn an merkt man aber schnell, dass der Autor oder auch seine Figur Dennis Milne sich seinem Leben stellt und abrechnet. Deswegen auch der englische, passende Originaltitel „Payback“. Als Leser empfindet man eine ungemeine Sympathie mit Dennis Milne der zwar durch eigenes Verschulden zu dem geworden ist, was er ist – ein eiskalter und erfolgreicher Auftragsmörder, doch empfindet man immer wieder Mitleid und sogar Verständnis für seine Situation.
Die Actionszenen sind hart und realistisch in Szene gesetzt und bilden mit den Dialogen von Tina und Dennis einen optimalen Spannungsaufbau. Wie der Titel schon prophezeit, ist dies das Ende für den Auftragskiller Dennis Milne, aber die Startlinie  für die Ermittlerin Tina Boyd ist genauso gezogen. Ein Ende ist also auch nur ein weiterer Anfang.
Fazit
„Erlöst mich“ von Simon Kernick ist absolut zu empfehlen. Neben der atemlosen Spannung die man dabei empfindet, überzeugt der Autor durch die sensible Darstellung des Auftragsmörders Dennis Milne, der sich nicht sehnlicheres wünscht, als zur Ruhe zu kommen.
Für mich ein überzeugender Titel der alles hält war er verspricht und durchaus Interesse weckt, mehr Titel des Autors lesen zu wollen.
Packend, rasant und sensibel und mit Sicherheit zu empfehlen. Und zu guter Letzt: Das Buch ist quasi eine Einladung verfilmt zu werden.
Michael Sterzik 




1 Kommentar:

ascher89 hat gesagt…

Sehr schöne Rezension, gefällt mir gut.
Aus welchem Land kommt denn der Auftrackskiller Dennis Milner eigentlich? Wäre super wenn du mir das beantworten könntest.
LG, Philip

Related Posts Plugin for WordPress, Blogger...