Samstag, 25. August 2012

Der Schrei der Sirenen - Philip Le Roy


Der Schrei der Sirenen – Philip Le Roy


Inhalt

Der letzte Samurai kämpft gegen das ehrlose Verbrechen

In Paris wird die heimliche Geliebte des Präsidenten entführt. In den darauffolgenden Tagen verschwinden weitere junge Frauen auf allen Kontinenten. Profiler Nathan Love begibt sich auf die Suche und stößt auf eine heiße Spur: Alle hatten die Herzen mächtiger Männer erobert – Präsidenten, Bankdirektoren oder Minister – und so Einfluss auf sie ausgeübt. Wer sind diese Frauen ohne erkennbare Vergangenheit oder soziale Kontakte? Loves Ermittlungen führen ihn in die Schaltzentralen der Macht, doch seine unbequemen Fragen stören, und er wird zur Zielscheibe aller...(Verlagsinfo)

Kritik

Nach dem Erfolg von „Phonex“ lässt der französische Autor Philip Le Roy seinen Profiler und Ermittler Nathan Love in seinem zweiten Roman „Der Schrei der Sirenen“ wieder Abenteuer und Gefahren (über)leben.

Eigentlich hat sich Nathan gewünscht, innerlich seinen Frieden zu finden. Zu sehr verletzte ihn der Verlust seiner Frau, die von einem Serienmörder dem er auf der Spur war, getötet wurde.

Zurückgezogen, mehr wie ein Eremit lebt und meditiert Nathan vor sich hin, bis er von Sylvie einer Beamtin des Geheimdienstes Frankreich gebeten wird, ihr und damit der Regierung zu helfen.

Mit diesen beiden Charakteren beginnt ein Thriller, dessen Geschichte sich verselbstständigt und von Kapitel zu Kapitel immer verwirrender wird. Die grundlegende Idee, dass Frauen an der Seite von Staats- und Regierungschefs, die eigentliche Macht inne haben, ist ein origineller Gedanke, doch warum baut der Autor diese Geschichte so minutiös mysteriös aus, wenn es hier nicht mystisch vor sich geht?

In Phoenix war Natan Love noch ein fassbarer und realistischer Protagonist. Zwar mit einer klassischen Backgroundstory, die ihn manchmal übermächtig erschienen ließ, doch hier im zweiten vorliegenden Band übertreibt es der Autor mit seinem Ego.

Nathan Love überlebt alles und aufgrund seiner tief meditativen Trainingseinheiten, und seinem durch Kampfkünste gestählten Körper überlebt der gern philosophische auftretende Ermittler noch jede Gefahr. Gleich einer Katze mit sieben Leben, die benötigt er hier auch, schießt, kämpft und liebt er sich durch unzählige Kapitel. Immer auf der Jagd nach den Entführern, die es sich zur Aufgabe gemacht haben, die Geliebten der Staatschefs und anderen einflussreichen Männern vom Fleck weg ohne Spuren zu hinterlassen, entführen. Die eigentliche Story nimmt ein rasantes Tempo auf, doch leider steht hier nicht die Geschichte im Vordergrund, sondern Nathan Love.

Wer Action erwartet wird hier reichlich bedient doch der Spannungsbogen, der zwar eine stabile Größe erreicht, bleibt dann irgendwo hängen und entwickelt sich kein Stück weiter. Im Laufe der Geschehnisse verkommt die Geschichte zu einer brachialen Schnitzeljagd über den Globus.

Von den Charakteren erfährt man außer über Nathan Love nicht viel. Im Gegenteil sie sind einfach zu eindimensional konzipiert. Wer „Böses“ tut, der ist und bleibt einfach „Böse“ und der gute Samurai dessen ethische und moralische Grundsätze felsenfest sitzen, obsiegt den gemeinen Plänen.

Was fürchterlich nervt und immer wieder ins Lächerliche übergeht, sind die philosophischen Gedanken und Sprüche, die Nathan Love immer wieder, egal in welcher Situation und egal mit welchem Charakter von sich gibt. Sicherlich mögen die asiatischen Kampfkünste auch einen starken philosophischen Gedanken tragen, doch wenn diese zu einer Art „Kalendersprüche“ missbraucht werden, klingt das nur noch abgedroschen und fehl am Platze.

„Der Schrei der Sirenen“ ist ein Actionthriller mit einer gewollten Botschaft die den Leser leider über nicht erreicht. Spannung?! Ja, wer Spannung und Action sucht, wird hier befriedigt, doch nach „Phoenix“ ist der zweite Band eine große Enttäuschung.

Weder überzeugt der Roman über eine durchgehende durchdachte Geschichte, noch können die Charaktere ihr wahres Potential zeigen. Eine spannende Atmosphäre kommt nur bedingt auf.

Schade, aber trotzdem, werde ich zu einem eventuellen dritten Band greifen, sollte der Autor Nathan Love noch einmal auf die Bühne bringen wollen.

„Der Schrei der Sirenen“ ist zwar eigenständig zu lesen, doch zu empfehlen ist zu „Phoenix“ zu greifen.

Autor

Philip Le Roy wurde 1962 in Toulouse geboren. Nach einem BWL-Studium arbeitete der begeisterte Cineast, Kampfkünstler und Rockbassist u.a. in der Werbung und als Drehbuchautor. Für seinen ersten Thriller „Phoenix“ wurde er mit dem renommierten französischen Krimipreis „Grand Prix de Littèrature Policiere ausgezeichnet. Philipe Le Roy, der in Frankreich mittlerweile Starruhm genießt, lebt in Vence. (Verlagsinfo)

Michael Sterzik




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