Samstag, 10. November 2012

Sterblich - Thomas Enger


 Inhalt (Verlagsinfo)

Nach zwei Jahren Auszeit kehrt Henning Juul zurück an seinen alten Arbeitsplatz in der Online-Redaktion von 123nyheter. Bei einem Wohnungsbrand wurde er schwer verletzt. Die Narben zeichnen ihn bis heute. Doch noch schlimmer ist für ihn, nicht zu begreifen, wie der Brand entstehen konnte, dem sein kleiner Sohn zum Opfer fiel.

Henning bezweifelt, dass er jemals wieder der Alte sein wird – der Enthüllungsreporter mit bombensicherer Spürnase für das Böse, für den Bodensatz, für die gefährlichsten Stories. Doch seine Kollegen kennen kein Pardon und schicken ihn an seinem ersten Arbeitstag zu einer Pressekonferenz der Osloer Polizei. Auf dem Ekeberg wurde die Leiche einer 23-jährigen Studentin gefunden. Der Körper weist schreckliche Folterspuren auf – oder sind es die Folgen einer Strafe nach den Regeln der Scharia? Polizeiermittler und Journalisten glauben an einen Ehrenmord. Nur Hennings Instinkt sagt etwas anderes. Aber kann er sich darauf noch verlassen?

Kritik

Thomas Engers Werk „Sterblich“, ein nordischer Thriller wirkt überzeugend und bis ins Detail hoch konstruiert. Im Verlauf der Handlung, die sich durch abwechslungsreiche Ermittlungen und Wendungen nahezu perfekt auszeichnet kommt es auch zu einigen Überraschungen.

Der Autor der sich fast ausschließlich auf seine Figur „Henning Juul“ konzentriert, webt geschickt ein dichtes Netz aus Nebenhandlungen, den Ermittlungen und den traumatischen Erlebnissen seiner Hauptfigur. Gerade Henning Juul der nach zwei Jahren seine journalistische Tätigkeit wieder aufnimmt, ist im Grunde die einzige Person, die aus der bunten Masse heraussticht. Sein Unglück, der Verlust seines noch jungen Sohnes und seine persönlichen und noch lange nicht verarbeiteten Gedankengänge, lasten schwer auf seiner Seele. Henning Juul ist ein sympathischer Charakter, ein ruhiger, besonnener und analytischer Mensch, der genau weiß, wo er geradesteht, allerdings nicht unbedingt wo er hin will.

Dass ein Thriller quasi nicht nur von einem sympathischen Helden leben kann, ist klar und somit gibt es noch einige andere Figuren, die aber sehr eindimensional und eher blass konzipiert wirken. Auch als sekundäre Nebenfiguren immer wieder auftauchend wirken besonders die beiden Ermittler Brogeland und Kommissarin Sandland wie träger und überflüssiger Ballast.

Die Handlung an sich ist interessant, wenn man auch manchmal den Eindruck hat, dass der Autor seine Ideen überstrapaziert und es damit übertreibt. Sicherlich gibt es Überraschungselemente und die Unterhaltung stellt sich schnell ein, doch fehlt dem Thriller das gewisse Etwas, vielleicht ein wenig an Atmosphäre. Die Vergangenheit von Henning Juul wird immer wieder kurz angerissen und man ahnt, welche enorme Last und welche Vermutungen er trägt, die nur darauf warten sich Raum zu verschaffen. Es würde mich freuen, wenn Henning Juul in dem zweiten Band „Vergiftet“ über seinen Schatten springt und offensiver wird.

Fazit
Auch wenn dem Titel „Sterblich“ der Schwung etwas fehlt, so ist dieser Thriller doch unterhaltsam und spannend. Ich denke, dass der nächste Band des Autors, „Vergiftet“ die letzte Hürde überwinden muss um nachhaltig einen positiven Eindruck zu verschaffen.

Trotz inhaltlicher Schwachpunkte und blassen Figuren, entwickelt sich der Roman am Ende doch recht ordentlich und ebnet schon den Weg für den zweiten Band. Alleine schon der „Cliffhanger“ am Ende wird den gewünschten Effekt erzielen, dass auch hier der zweite Band in den Händen des Lesers zu finden sein wird.

Michael Sterzik



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